Behind The Desk: FASE – Markus Freiburg

On 12. Juli 2015 by Anna

Die Förder- und Finanzierungslandschaft für Sozialunternehmen und Social Start-Ups in Deutschland befindet sich gewissermaßen noch im Aufbau und mit ihr eine souveräne Gründungs- und Bewerbungspraxis, wenn es um die Suche nach den richtigen Finanzierungspartnern geht.
Deshalb soll an dieser Stelle regelmäßig eine Entscheidungsperson aus Stiftungen, Beteiligungsgesellschaften und Förderprogrammen zu Wort kommen und von ihren Erfahrungen, ihrer Arbeit und ihren Anforderungen bei der Bewerberauswahl erzählen.

Die Finanzierungsagentur für Social Entrepreneurship (FASE) unterstützt Sozialunternehmen in der frühen Wachstumsphase beim Einwerben von Wachstumskapital zwischen 100 und 500 Tausend Euro. Hierbei handelt sich um Volumina, welche für rein philanthropische Investoren in der Regel zu groß und für wirkungsorientierte Investoren meist zu klein oder zu risikoreich sind. Dieses Marktversagen führt zu signifikanten Wachstumshürden für Sozialunternehmer, deren soziale Innovationen sich bereits bewährt haben und welche nun das Unternehmen ausbauen und erweitern wollen.
Dr. Markus Freiburg ist 35 Jahre alt, Ökonom und Gründer und Geschäftsführer der FASE. Nach seiner Zeit als Unternehmensberater bei McKinsey und ersten Kontakten mit Ashoka, gründete er, zusammen mit Ellinor Dienst 2013 die Finanzierungsagentur für Social Entrepreneurship (FASE).


Was genau bietet FASE?

Man kann sich uns ähnlich wie eine soziale M&A Boutique vorstellen, d.h. wir finden für Sozialunternehmen die passenden wirkungsorientierten Investoren. Dabei können wir mittlerweile auf einen Kreis von mehr als 200 Investoren von verschiedensten „Finanzierungsplaneten“, also Social Business Angels, Social Venture Funds, Stiftungen, Family Offices, öffentliche Co-Investoren etc. zurückgreifen. Wir selbst investieren keine eigenen Gelder, sondern beraten ausschließlich Sozialunternehmen beim Einwerben von Wachstumskapital.


Für welche Sozialunternehmen könnte die Finanzierungsagentur interessant sein?

Es handelt sich bei unseren Finanzierungsprojekten um frühphasige Sozialunternehmen, reine Gründungsfinanzierungen ohne Proof of Concept können wir jedoch leider nicht unterstützen. Zwei Dimensionen sind für uns entscheidend: Zum einen sollte ein Pilotprojekt mit nachweisbarer und messbarer sozialer Wirkung erfolgt sein. Desweiteren sollte das Sozialunternehmen signifikantes Wachstumspotential aufweisen und eigene Umsätze generieren, denn wir arbeiten ausschließlich mit rückzahlbaren Finanzierungsformen, z.B. Genussrechten, nachrangige Darlehen oder offene Beteiligungen.


Gibt es noch weitere Voraussetzungen?

Vor allem die beiden bereits genannten übergeordneten Kriterien: Ein soziales, innovatives und nachweisbares Wirkungsmodell und ein belastbares Geschäftsmodell. Darüber hinaus sehen uns wir uns selbstverständlich auch das dahinterstehende Team und einen möglichen Finanzierungsplan an.


Was ist bei einer Bewerbung formal und inhaltlich wichtig?

Eine gute Präsentation oder ein ausformulierter Businessplan ist natürlich immer willkommen und hilfreich. Aber noch wichtiger ist die Leidenschaft und dass man sowohl das Geschäftsmodell als auch die soziale Wirkung belegen kann. Je spezifischer man das im Vorfeld kommunizieren kann, desto aufmerksamer werden auch Investoren. Eine kurze prägnante Zusammenfassung der wesentlichen Kernbotschaften (sog. Elevatorpitch) ist für den Anfang immer ein guter Rat.

Im zweiten Schritt wollen Investoren natürlich auch einen Businessplan sehen. Hier stehen wir dann auch als Berater und Coaches zur Seite.


Ihre Leistung umfasst also mehr als nur die Vermittlung.

Wir bieten zwei Dienstleistungen an: Das eine ist ein „Investment-Readiness-Paket“, wo es darum geht, unsere Mandanten beim Erreichen der Finanzierungsreife zu unterstützen. Man schaut sich beispielsweise nochmal das Geschäftsmodell an und entwickelt gemeinsam einen konkreteren Businessplan mit einer entsprechenden Finanzplanung. Für dieses Investment-Readiness-Paket haben wir u.a. auch eine eigene Diagnostik entwickelt, welche anhand von vier Kernbereichen und fünfzehn Modulen eine erste Verortung des Unternehmens ermöglicht.

Bei diesem Entwicklungsprozess sehen wir uns selber als Sparringspartner im Rahmen einer gemeinschaftlichen Zusammenarbeit. Schließlich soll ein nachhaltiges Modell entstehen, mit dem sich das Unternehmen langfristig wachsen kann. Je nach Umfang benötigt dieser Prozess in der Regel 4-6 Monate.

Die zweite Leistungsstufe umfasst die konkrete Transaktionsunterstützung, also das Einwerben von Wachstumskapital. Dabei handelt es sich um einen mehrstufigen Prozess. Wir strukturieren eine Transaktion und identifizieren die geeigneten Finanzinstrumente. Dem folgt dann die Phase der eigentlichen Investorenansprache. Wenn Interesse besteht, werden den Investoren entsprechende Businesspläne zur Verfügung gestellt und es folgt eine Managementpräsentation, wo sich Sozialunternehmer und Investoren kennenlernen können. Kommt es hier zu einer positiven Entscheidung für einen Abschluss, koordinieren wir im Anschluss die Vertragsverhandlungen. Nach dem Abschluss erarbeiten wir i.d.R. eine Case Study, damit auch andere von den Erkenntnissen dieses Prozesses lernen können.


Wie bewerten Sie die Entwicklungen im Bereich Impact Investment in Deutschland?

Wir befinden uns in der Tat in einer recht frühen Marktphase. Allerdings interessieren sich zunehmend mehr Sozialunternehmen und mehr Investoren für dieses Thema, was durch entsprechende politische Maßnahmen flankiert wird. Vorletztes Jahr wurde z.B. die G8 Impact Investing Task Force vom britischen Premierminister initiiert, in deren Rahmen auch ein deutsches National Advisory Board eingerichtet wurde.

Ein Markt, wie wir ihn in Großbritannien oder Nordamerika beobachten können, muss sicherlich noch mehrere Jahre wachsen. Allerdings wachsen auch die sozialen und ökologischen Herausforderungen und damit auch der Bedarf nach innovativen Lösungs- und Finanzierungsmodellen.

Für einen stabilen Impact Investment-Markt müssen sowohl Angebots- als auch die Nachfrageseite noch stärker sensibilisiert werden. Sozialunternehmen, die häufig aus dem gemeinnützigen Sektor kommen, lernen mehr und mehr, dass ein skalierbares Geschäftsmodell oftmals steuerbarer und wirkungseffizienter arbeiten kann als rein spendenbasierte Modelle. Das knappe Gut sind im Moment genau diese skalierbaren unternehmerischen Ideen zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen und somit die Nachfrage nach Impact Investment.

Auf der anderen Seite ist eine offene Pipeline zur Sichtbarmachung der sozialen Investitionsmöglchkeiten für potentielle Investoren notwendig. Es gibt hier eine noch kleine, aber sehr aktive Community, die sich der Sache bereits verschrieben hat und in viele Richtungen arbeitet. Zukünftig geht es darum, diese Community weiter auszubauen und weitere Partnerschaften zu knüpfen.


Woran arbeitet Fase gerade?

Wie bereits erwähnt, folgt unser Leitsystem einem Planetenmodell. Allerdings finden zwischen den Investorenplaneten bisher nur wenige Kooperationen statt. Deshalb versuchen wir hier eine Art kollaboratives Ökosystem zu entwickeln, um zukünftig gemeinsame Strategien zur besseren finanziellen Unterstützen von sozialen Innovationen in allen Finanzierungsphasen zu finden.

Im Moment arbeiten wir daher an einem frühphasigen Co-Investment Fund, um mehr Geld zur Finanzierung frühphasiger Sozialunternehmen mobilisieren zu können und damit im Ökosystem

die Basis für den späteren Einstieg weiterer wirkungsorientierter Investoren zur signifikanten

Wirkungsskalierung zu ebnen. Gleichzeitig arbeiten wir an Modellen, um Spenden wirkungsvoller zur Finanzierung von Sozialunternehmen im Rahmen hybrider Finanzierungen einsetzen zu können.


Haben Sie noch einen Tipp für soziale Start-Ups in der Gründungsphase?

Im ersten Schritt sollte man am eigenen Geschäftsmodell arbeiten. Es gibt hier einige professionelle Dienstleister und Beratungsstellen, wie das Impact Lab, die hier erste Hilfestellung geben können.

Wenn es um erste Finanzierungsquellen geht, empfehle ich, in der Gründungsphase im sogenannten Bootstrappingmodus zu arbeiten. Im Bereich bis 50.000 Euro gibt es verschiedene Finanzierungsquellen, von Crowdfunding über Wettbewerbe und nicht zuletzt das eigene Umfeld, wo eine erste Anschubfinanzierung noch relativ unkompliziert und unbürokratisch einzuholen ist.

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