Businessplan I – „Social Business Model Canvas“

On 22. Juni 2013 by Anna

Mit dem Social Business Model Canvas starte ich den Einstieg in den Aufbau des Geschäftsmodells eines Sozialunternehmens.

Bevor man einen umfangreichen Businessplan aufbaut, kann man mit dem Social Business Model Canvas (desweiteren SBMC genannt), alle Schlüsselfaktoren des Unternehmens auf nur einer DinA4 (wahrscheinlich eher DinA3) Seite zusammenfassen und sich so ein erstes Gesamtbild machen. Anstatt, wie im kategorisch geordneten Businessplan, werden hier die Beziehungen der einzelnen Geschäftssegmente kartographiert und lassen sich so in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit und ihrem Einfluss darstellen. Dieser Prozess der Unternehmensmodellierung ist dabei angelehnt an das MindMapping, welches weniger linear vorgeht, sondern das Unternehmen ganzheitlich betrachtet und kreativ gestalten kann.

Entwickelt wurde es von Alex Osterwalder und Yves Pigneur

Das SBMC-Sheet ist sehr logisch aufgebaut und behandelt die vier Kernfragen des Unternehmens: Wie, Was, Wer, Wie viel. Innerhalb dieser ergeben sich 9 Felder, die zusammen das Geschäftsmodell umfassen. Graphisch nicht unbedingt ansprechend, aber ersichtlich wie folgt aufgebaut:

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Rechte Seite – Die Zielgruppen: Kundensegmente – Kundenbeziehungen

Das besondere am SBMC ist, dass es die potentielle Kundschaft in zwei Kategorien einteilt. Denn ein Sozialunternehmen hat nicht nur eine Zielgruppe sondern meistens zwei: Einmal den Kunden als Konsumenten, der die Ware oder Dienstleistung bezahlt, die das Unternehmen anbietet und zum anderen jenen Kunden, der von der Serviceleistung des Unternehmens einen Nutzen zieht, also vom beabsichtigten Mehrwert des Sozialunternehmens profitiert.

Mit dem SBMC ist es möglich, diese beiden Zielgruppen analytisch zu betrachten und sie als separate Märkte gezielt anzusprechen. Dabei gilt es, ihre Spezifika detailliert herauszuarbeiten: Ihre Bedürfnisse, sozialen Faktoren, besondere Eigenschaften, die ihnen zuschreibbar sind, wie sie sich in bestimmten Märkten bewegen, ihre Anforderungen und ihre Erreichbarkeit.

Im Felder der Kundenbeziehung wird mehr oder weniger komplexe Verbindung vom Unternehmen zum Kunden und vise versa oder die Vernetzung von Kunden und profitierenden Zielgruppen etc dargestellt. Bei Sozialunternehmen sind diese Verbindungen selten nur unilateral, sondern Teil des innovatives Konzeptes.

 

Linke Seite – Ressourcen

Hier befinden sich alle Mittel und Kapazitäten, die dem Unternehmen zur Verfügung stehen. Diese können materieller, finanzieller aber auch intellektueller und ideeller Natur sein. Die große Frage ist: Was steht und zur Verfügung und welche Hebel können wir bereits betätigen? Und in einem späteren Schritt: Welche Ressourcen müssen wir noch zu welchen Kosten schaffen? Idealerweise bringen auch die Zielgruppen Potentiale mit, welche in den Unternehmenskreislauf implementierbar sind. Hier müssen meistens viele Register gezogen werden: Von speziellem Know-How bis hin zum Stamm von freiwilligen Helfern. Auch auf materieller Ebene sollte man alle potentiellen Quellen absuchen: Gibt bei bestimmten Herstellen Abfallprodukte, die nutzbar sind? Oder: Welche Produkte, die aus dem ersten Handelskreislauf draussen sind, können wiederverwertet werden?

 

Mitte – Das Angebot und der Nutzen

Sind die Kundenstrukturen ermitteln, kann ein entsprechendes Angebot auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten werden. Die Mitte ist das Herzstück des Unternehmens, denn hier wird gezeigt, was das Unternehmen herstellt / anbietet und welchen Nutzen es für die Gesellschaft generiert. Was könnte der große Social Impact sein? Im Idealfall gibt es einen UPS (Unique Point of Sale) bzw ein Alleinstellungsmerkmal. Es ist im Falle des Sozialunternehmens meist ein Nutzenversprechen, z.B. besondere Zugänglichkeit für Benachteiligte Zielgruppen zu einem Produkt, welches es von anderen Unternehmen unterscheidet, ein besonderes Design, Beitragsschaffung zu sozialen oder ökologischen Problemen etc. Hier sollte also vor allem der innovative Charakter des Angebotes herausgearbeitet werden.

 

Rechte Seite – Vetriebskanäle

Abgestimmt auf die Ressourcen des Unternehmens, sein Angebot und die Kundenstruktur, müssen geeignete Werkzeuge und Wege gefunden werden, um Ihnen das Angebot zukommen zu lassen. Wie sind die Zielgruppen erreichbar? Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um sie anzusprechen? Wie können Sie zu bestimmten Handlungen motiviert werden? Welche Distributionskanäle müssen eingeschaltet werden und was sind deren Kosten? Auch zeitliche Abläufe der Vertriebskanäle können berücksichtigt werden.

Ich betrachte dieses Feld als das trickreichste: Denn es ist oftmals mit mehr Kosten und Hürden verbunden, als man vermuten würde. Und weil der Weg vom Produkt zum Kunden und vor allem die Erreichbarkeit der Zielgruppe oftmals wenig offensichtlich und zäh ist, gilt es hier alles kreative Know-How einzuschalten.

 

Linke Seite – Hauptaktivitäten

Zielgruppen, Ressourcen und Vertriebskanäle sind bekannt. Es geht also ans Eingemachte: Den Aktionsplan. Hier stellt sich die Frage, wie die einzelnen Faktoren zusammenspielen und welche Maßnahmen zur Umsetzung des Geschäftsmodells ergriffen werden müssen; Oftmals auch in zeitlicher Abfolge.

 

Linke Seite – Partnernetzwerk

Ein Netzwerk von Unterstützern ist für den Erfolg eines Sozialunternehmens entscheidend. Vor allem in der Start-Up-Phase. Recherchiert genau, welche nützlichen Verbände, lokalen Institutionen, öffentliche Einrichtungen oder mögliche Kooperationspartner aus Wirtschaft und Kultur zur Verfügung stehen könnten.
Auch die zukünftigen Lieferanten, Mediapartner und Hersteller finden hier natürlich ihren Platz.

 

Unten links – Kostenstruktur

Die Ressourcen, welche bereitgestellt werden müssen, die Hauptaktivitäten und die Distributionskanäle welche man schalten muss bergen den Hauptteil der Kosten. Diese sollten hier möglichst genau aufgekclustert werden.

 

Unten rechts – Einkommensströme

Um das zu ermitteln, sieht man sich am besten in den konventionellen Märkten um und betrachtet nochmal genau die potentielle Kundschaft. Die Preisgestaltung orientiert sich normalerweise an den Produktionskosten. Über welche alternativen Finanzierungsquellen könnten Mittel eingenommen werden? Die Preiskalkulation sollte je nach Fokus des Sozialunternehmens gestaltet werden.

 

Dieses Modell erlaubt es, das Geschäftsmodell mehrmals durchzuspielen und flexibel umzugestalten. Desshalb sollte das SBMC immer im Team erarbeitet und durchgespielt werden. Dabei können auch andere Techniken des Visualisierung und des Brainstormings hinzugezogen werden. Auch der klare Blick von Aussen durch Berater, Partner oder einfach nur Freunden sollte hinzugezogen werden.

Die Erarbeitung des SBMC folgt üblicherweise diesen Schritten:

  1. Recherche
  2. Analyse
  3. Konzeption
  4. Besprechung, Prüfung und Modifikation
  5. Umsetzung und Controlling

Hier kann man das SBMC-Sheet auf englisch kostenlos herunterladen. Auf dem Sheet findet man zu den 9 Feldern des Geschäftsmodells alle relevanten Schlüsselfragen, die es für das Vorhaben zu beantworten gilt.

 

Bildquelle: http://www.amazingfuture.co.uk

 

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