Die richtige Rechtsform

On 9. Mai 2013 by Anna

Die Wahl der richtigen Rechtsform eines Unternehmens bildet den Grundstock für dessen Handlungsfähigkeit und finanzielle Situation. Im Bereich des Social Entrepreneurings ganz besonders, denn hier handelt es sich meist um unerprobte, innovative Geschäftsmodelle, welche  sich mit wenig personeller und monetärer Stärke in rechtlich unklare Gefilde begeben.

 

Deshalb ist es ratsam sich von Anfang an Gedanken über die Form zu machen, welche die Gründer rechtlich absichert aber auf finanziellen Spielraum lässt. Da den Sozialunternehmen die unterschiedlichsten Branchen, Größen, Zielgruppen, und Handelsobjekte zugrunde liegen, gibt es keine Best-Practice-Lösung bei der Rechtsform. Sobald das Unternehmenskonzept steht, und man sich auch Gedanken über die Wachstumsmöglichkeiten gemacht hat, sollte man sich als nächsten Schritt folgende Fragen stellen:

  • Ein Gewerbe anmelden oder erst einmal freiberuflich arbeiten?
  • Ist die Gründung mit mehreren Personen (Gesellschaftern) vorgesehen? Welche Entscheidungsgewalten und Befugnisse sollten Ihnen zustehen?
  • Wie hoch ist der gesetzliche Mindestkapitalbedarf? Soll die Gründung erst einmal möglichst geringe Kosten verursachen (z.B. Einlage von Grund-/Stammkapital, Kosten für Notar)?
  • Bringt die Rechtsform einen hohen Aufwand an Verwaltung und Folgekosten (z.B. Steuerberater, externe Buchführung) mit sich? Wie sieht es mit der Publizitätspflicht und der Steuerpflicht der Rechtsform aus?
  • Verbinden Sie mit der Rechtsform ein bestimmtes Image? Welche Rechtsformen sind üblich in der Branche?
  • Welche Risiken sind mit dem Unternehmen verbunden, die versichert werden müssen? Soll das persönliche Haftungsrisiko besser auf das Unternehmen umgelegt werden?
  • Hält die Wahl der Rechtsform Nachteile für die zukünftigen Unternehmensplanungen bereit?
  • Strebt dein Unternehmen den steuer- und finanzrechtlichen Status der Gemeinnützigkeit an?
  • Sind in der Anfangsphase bereits mit gewinnbringenden Einnahmen zu rechnen, oder müssen anfänglich Finanzmittel aufgebracht werden, um Investitionen zu tätigen? Liegt Eigenkapitalfinanzierung oder Fremdkapitalfinanzierung vor?

Unten stehend habe ich einige der wichtigsten Rechtsformen Stichpunktartig zur schnellen Erfassung zusammengetragen. Die Liste ist jedoch keinesfalls vollständig und erschöpfend, aber kann helfen, alle Möglichkeiten auf einen engeren Kreis zu beschränken.

Es gibt im Internet zahlreiche ausführliche Beschreibungen und Tipps für die richtige Wahl der Rechtsform, die mit ein wenig Recherche i.d.R wenig Fragen offen lässt. Desweiteren erhält man auch Rat bei der örtlichen IHK oder bei externen Rechts-, Unternehmens- und Steuerberatern. Je komplexer das Unternehmen ist, desto eingehender sollte man sich mit der Frage beschäftigen.

 

Grundsätzlich sind zwei Trennungsformen der deutschen Rechtsformen bekannt:
Personengesellschaft: Keine Mindesteinlage notwendig, privates Haftungsrisiko, Gesellschafter sind Inhaber und Leiter des Unternehmens (Kleingewerbe, GbR, OHG, KG)
Kapitalgesellschaft: Mindesteinlagen vorgeschrieben, kein privates Haftungsrisiko, es muss ein Geschäftsführer bestellt werden (UG, GmbH, AG, eG)

 

Ein-Personen-Gesellschaft – Kleingewerbe – Kleinunternehmer

  • Ein Kleingewerbe ist eine wirtschaftende und selbstständige Tätigkeit und nicht zu verwechseln mit der freiberuflichen Tätigkeit. Denn sie unterliegt der Gewerbeordnung
  • Ein Kleingewerbebetreibender ist kein Kaufmann im rechtlichen Sinne. Es ist also die vereinfachte Buchführung der Einnahme-Überschuss-Rechnung ausreichend.
  • Das Gewerbe muss beim Gewerbeamt angemeldet werden
  • Die Gründung erfolgt formlos und setzt keine Mindesteinlage voraus.
  • Hier greift oftmals die Kleingewerbe-Regelung, wenn im Jahr nicht allzuviel Umsatz zu erwarten ist. Der Gewinn wird durch eine Einnahme-Überschuss-Rechnung ermittelt. Auch wenn es rechtlich -meistens- nicht vorgeschrieben ist, so ist es hier trotzdem ratsam Buch zu führen.
  • Beim Kleingewerbe entfällt die Namensfreiheit (es wird der Personenname registriert und auf Wunsch ein gewählter Sachzusatz)
  • Es reicht eine recht einfache und günstige Anmeldung beim Gewerbeamt, besondere Meldepflichten kommen bei Handwerkern und im Gastgewerbe jedoch hinzu)
  • Zahlt Einkommenssteuer und Gewerbesteuer, Gewerbesteuer gilt jedoch ein Freibetrag von 24.500 Euro
  • Ob ein Kleingewerbe die Umsatzsteuerregel anwendet, also Umsatzsteuer ausweist und an das Finanzamt abführt, im Gegenzug dafür aber auch die Vorsteuer abziehen darf, bestimmt der Gewerbebetreibende bis zu 17.500 Euro Umsatz im laufenden und 50.000 Euro im folgenden Geschäftsjahr selber (Kleingewerberegelung).
  • Ein Kleinunternehmer ist nicht sozialversicherungspflichtig (keine Abführung von Kranken-, Unfall-, Renten-, Arbeitslosenbeiträgen an die Krankenkassen), da er eine sebstständige Tätigkeit ausführt.

FÜR WEN: Kleingewerbe sind sehr oft der erste Schritt in das Unternehmertum und werden nebenberuflich gegründet. Wenn das Sozialunterehmen im Alleingang gestartet wird oder sogar nur darauf ausgerichtet ist und mit dem Unternehmen keine größeren Umsätze oder Gewinne zu erwarten sind, dann ist diese unkomplizierteste Rechtsform eine gute Wahl.

 

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

  • Im Grunde ist jede Band und jede Wohnungsgemeinschaft eine GbR, da diese Rechtsform zivilrechtlich anzusiedeln ist und keine bestimmten Formalien benötigt. Eine GbR ist also ein rechtlich sehr loses Gebilde, weswegen es sich eher als Zusammenschluss für Freiberufler und weniger zur gemeinsamen Unternehmensbildung eignet.
  • Für die Gründung werden mind. zwei Gesellschafter benötigt (können juristische und natürliche Personen sein).
  • Für die Anmeldung muss jeder Gesellschafter einen Gewerbeschein beim Gewebeamt zur steuerlichen Erfassung (ca. 30 Euro) zu beantragen.
  • Dementsprechend ist die GbR ein Kleingewerbe, da es keinen nach kaufmännischen Regeln geführten Geschäftsbetrieb hat. es besteht nur eine vereinfachte Buchhaltung in Form der Einnahme-Überschussrechnung. Dies kann sich aber ab einem bestimmten Umsatzvolumen ändern.
  • Die GbR ist gewerbesteuerpflichtig, sobald sie als Gewerbe agiert. Dabei gilt ein Freibetrag von 24.500 Euro. Auch können die privaten Gesellschafter die Gewerbesteuer anteilig auf ihre Einkommenssteuer anrechnen.
  • Desweiteren ist sie dann auch Umsatzsteuerpflichtig, fällt aber unter Kleinunternehmerregelung, wenn der jährliche Umsatz unter einer bestimmten Grenze liegt.
  • Gewinne werden über die Einkommenssteuer der Gesellschafter versteuert.
  • keine Vertragsbildung oder Eintragung ins Handelsregister notwendig.  Jedoch sind dringend schriftliche Vereinbarungen und Vertragsbildung mit notarieller Beglaubigung anzuraten, um z.B. die Rolle des Geschäftsführung und die jeweiligen Haftungsanteile, sämtliche Rechte und Pflichten zur Mitbestimmung etc. festzuhalten. Ansonsten gilt: Sämtliche den Betrieb anfallende Angelegenheiten werden zu gleichen Teilen und zu gleichem Befugnis aufgeteilt.
  • Haftung der Gesellschafter mit Privatvermögen: Eine beschränkung der Haftung kann jedoch mit dem jeweiligen Vertragspartner individuell ausgehandelt werden.
  • Die Gesellschafter der GbR werden wie im Kleinunternehmen unter der „selbstständigen Tätigkeit“ geführt und sind somit nicht sozialversicherungspflichtig. Somit ist die GbR auch keine juristische Person, bzw. eigenständige Firma i.d.S.
  • Die GbR kann sehr unterschiedlich ausgestaltet sein und es gibt viele verschiedene Rahmen innerhalb diese auftaucht. Dementsprechend sind die Konsequenzen ganz besonders zu betrachten und rechtlich im Vorfeld zu klären.

FÜR WEN: Eine GbR lässt sich mit wenig Aufwand und Kosten sehr schnell gründen. Und kann gerade am Anfang eines Start-Ups eine Zusammenarbeit vereinfachen. Vor allem für kleine Vorhaben (nur wenige Gründer und keine Angestellten) ist diese Rechtsform geeignet.  Eine GbR ist auch nicht für viele Umsätze oder das Handelsgewerbe vorgesehen und ist nur nach dem BGB (und nicht HGB) rechtsfähig. Andernfalls sollte sie in eine OHG umgewandelt werden. Jedoch ist es sehr ratsam, trotz der Formlosigkeit, einen Gesellschaftervertrag aufzusetzen. Wie bei allen Personengesellschaften ist es hier wichtig, das persönliche Haftungsrisiko durch geeignete Versicherungen abzudecken.

 

Offene Handelsgesellschaft (OHG)

  • Ein OHG ist im Grunde wie eine GbR, jedoch handelt es sich um ein eingetragenes Handelsgewerbe
  • Die OHG besitzt zwar keine eigenständige Rechtspersönlichkeit, tritt aber als eigenständige Firma (entsprechend einer juristischen Person) auf und kann z.B. klagen und verklagt werden, Rechte erwerben und Verbindlichkeiten eingehen.
  • Gründung: Eine OHG muss beim Gewerbeamt angemeldet werden
  • Gründung erfolgt durch zwei Gründer (kann natürliche oder juristische Person sein) und muss nicht zwangsläufig schriftlich erfolgen, was aber dringend abzuraten ist.
  • Die Gründungskosten sind vom Geschäftswert abhängig.
  • Da die gesetzlichen Vorschriften zum Gesellschaftervertrag quasi nicht vorhanden sind, kann das Verhältnis sehr flexibel gestaltet werden.
  • Es muss eine Eintragung ins Handelsregister über notariellen Wege erfolgen
  • Es ist keine Mindesteinlage notwendig, eine Kapitaleinlage kann jedoch getätigt werden
  • Gesellschafter sind (ausser es ist anders vereinbart) befugt die OHG nach Aussen zu vertreten und müssen alle Geschäftsvorfälle abstimmen. Es kann aber auch ein Geschäftsführer ernannt werden.
  • OHG ist ein Kaufmann und somit führt sie Gewerbesteuer ab; Die Gesellschafter können die aufgeschlüsselte Gewerbesteuer auf ihre Einkommenssteuer anrechnen.
  • Desweiteren ist die OHG auch umsatzsteuerpflichtig.
  • Da die OHG eine Personengesellschaft ist, wird der Gewinn über die persönliche Einkommenssteuer der Gesellschafter abgewickelt
  • Es besteht Buchführungspflicht, d.h. alle Geschäftsvorgänge müssen belegt und ordnungsgemäß verbucht werden.
  • Es besteht auch eine Bilanzierungspflicht, d.h. für den Jahresabschluss muss eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlustrechnung erstellt werden.
  • Gesellschafter/Geschäftsführer sind nicht sozialversicherungspflichtig
  • Haftung liegt bei den Gesellschaftern mit ihrem Privatvermögen

FÜR WEN: Auch die OHG ist eine recht unkomplizierte Gründung, jedoch ebenso wie die GbR mit einem hohen Haftungsrisiko und höherem administrativen Aufwand verbunden. Der Vorteil ist, dass eine OHG bei Banken eine hohe Kreditwürdigkeit genießt (Firmen ohne beschränkter Haftung haben hier einen besseren Stand als Firmen mit beschränkter Haftung). Die OHG ist meist ein klassisches Handelsgewerbe.

 

Kommanditgesellschaft (KG)

  • KG wird mit mind 2 Gesellschaftern (natürliche oder juristische Person) gegründet
  • Es ist keine Mindesteinlage zur Gründung notwendig
  • notariell geführte Eintragung in das Handelsregister obligatorisch
  • Gründungskosten sind abhängig vom Geschäftswert
  • Gesellschaftervertrag kann flexible gestaltet werden, da er nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Hier wird mindestens ein persönlich haftender „Komplementär“ mit der Befugnis, das Unternehmen zu vertreten, ernannt und mindestens ein Kommandist, welcher lediglich als Kapitalgeber fungiert und auch nur mit seiner Einlage haftet.
  • Die Gesellschafter der KG (Kommandisten) haften zwar nur mit ihrer Einlage, haben aber auch keine Kontrollmöglichkeiten oder Stimmrecht.
  • Der Geschäftsführer (Komplementär) haftet hingegen mit seinem Privatvermögen (das Haftungsrisiko wird gerne umgangen indem eine GmbH die Rolle des Komplementärs übernimmt in einer sog. GmbH und Co. KG)
  • Als eingetragenes Unternehmen besteht Buchführungs- und Bilanzierungspflicht
  • Eine KG zahlt Gewerbesteuer (auch hier gilt ein Freibetrag von 24.500 Euro) und Umsatzsteuer. Der Gewinn wird über die Einkommenssteuer der Gesellschafter abgerechnet.
  • Weder Kommandist, noch Komplementär sind sozialversicherungspflichtig.

FÜR WEN: Die KG ist für Personen und Firmen geeignet, die in Kooperation mit anderen gründen und arbeiten, jedoch bestimmte oder alle Teilnehmer von Geschäftsführung und persönlicher Haftung ausschließen möchten. Zudem kann der Inhaber (Komplementär) ohne Einflussmöglichkeiten der anderen Gesellschafter das Geschäft leiten. Diese Form ist also sehr geeignet für Start-Ups, die von Anfang an mit Investoren arbeiten wollen.

 

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

  • Die Gründung muss notariell beglaubigt werden und tritt erst in Kraft, wenn die Eintragung im Handelsregister erfolgt ist (davor erhält das Unternehmen den Status einer Vor-GmbH)
  • Zur Gründung notwendige Protokolle (Vorlagen gibt es im Internet) gehören: Gesellschaftsvertrag, Gesellschafterliste, Geschäftsführervertrag
  • Gründungskosten: evtl. Rechtsanwalt für Gesellschaftsvertrag, Notarkosten, Eintragung ins Handelsregister: ca. 250 – 1500 Euro
  • Eine Stammeinlage von 25.000 ist notwendig von denen 12.5000 Euro sofort bei Gründung einbezahlt werden müssen. Die Einlage kann Bareinlagen (Geld) aber auch Sacheinlagen (z.B. Maschinen) umfassen.
  • Die GmbH unterliegt der Buchhaltungs-, Bilanzierungspflicht
  • Eine GmbH ist Gewerbesteuerpflichtig, zahlt Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer.
  • Als Kapitalgesellschaft unterliegt sie zudem der  Lohn- und der Kapitalertragssteuer.
  • Ein von aussen eingestellter Geschäftsführer ist ein Angestellter und somit sozialversicherungspflichtig. Ist der Geschäftsführer jedoch gleichzeitig Gesellschafter, sollte vorab unbedingt ein Prüfungsantrag auf ein Statusfeststelllungsverfahren bei den Krankenkassen beantragt werden, um böse Überraschungen zu umgehen.
  • Eine GmbH haftet nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen (Stammkapital, Barvermögen, Bankguthaben, Sachvermögen)

FÜR WEN: Bei der GmbH ist das geringe Haftungsrisiko ein gutes Argument für besonders innovative Geschäftsideen oder Gründungen im rechtlich komplizierten/unklaren Umfeld. Durch die Mindesteinlage entsteht zudem gleich Eigenkapital, mit welchem auch gearbeitet werden darf und das dem Unternehmen eine gewissen Ernsthaftigkeit verleiht, die oft in späteren Präsentationen und Verhandlungen Beachtung findet. Allerdings ist die GmbH als Kapitalgesellschaft sehr kostenaufwändig in der Gründung und der Administration.  Eine GmbH muss den Gewinn nicht zwangsweise ausschütten; Stattdessen können die Gesellschafter auch als Angestellte der Firma ihren Lebensunterhalt beziehen, was mir als eine faire und transparente Lösung erscheint. Das macht sie im Bereich des Social Entrepreneurings (Im Gegenzug zu den Personengesellschaften GbR, OHG, KG), zu einer geeigneteren Unternehmensform.

 

Unternehmensgesellschaft haftungsbeschränkt, (UG (haftungsbeschränkt))

  • oft auch Mini-GmbH genannt
  • die UG wird rechtlich behandelt, wie eine GmbH und benötigt, die gleichen Gründungsprotokolle
  • Gründungskosten: Notar, Handelsregister: ca. 200-300 Euro
  • Mindesteinlage ist 1 Euro, dies ist jedoch nicht ratsam, da für die UG das volle Insolvenzrecht gilt und es bei Investitionen nach Gründung schnell passieren kann, dass das Unternehmen sofort Insolvent geht.
  • Auch die UG unterliegt den gleichen Buchhaltungs- Bilanzierungs- und Gewerbesteuerpflichten.
  • Unterschied zur GmbH ist die Kapitalintensität, es müssen jährlich Gewinnrücklagen (immer 25% des Gewinns) gebildet werden, bis 25.000 Euro Stammkapital erreicht werden.
  • Eine UG haftet mit dem gesamten Gesellschaftsvermögen (Stammkapital + gesamtes Vermögen des Unternehmens)
  • Zusatz „haftungsbeschränkt“ muss im Rechtsverkehr bei der Bennenung der UG immer mitgeführt werden (also immer „Firma UG (haftungsbeschränkt)“)

FÜR WEN: Die UG ist, durch ihren Rechtsstatus ähnlich der GmbH aber den geringeren Mindestkapitaleinlagen eigentlich eine perfekte Lösung für Start-Ups. Allerings herrscht hier durch die geringe Kapitalausstattung die Gefahr der Überschuldung (Insolvenz). Die geringe Mindesteinlage ist auch ein Nachteil für die Kreditwürdigkeit bei Banken und Investoren.

 

Eingetragene Genossenschaft (eG)

  • Für die Gründer sind mind. 3 Gesellschafter (Mitgliedern, ehemals  „Genossen“) erforderlich.
  • Für die vertragliche Gründung muss eine Satzung erstellt werden, die jedoch nicht notariell beglaubigt werden muss.
  • In der Satzung wird u.a. die Mitgliedschaft und deren Höhe der Einlagen, der Vorsitz/Vorstand (Geschäftsführung), der Aufsichtsrat (Kontrolle der Geschäftsführung bei mehr als 20 Mitgliedern) und die Generalversammlung festgelegt
  • Vorstand und Aufsichtsrat werden von den Mitgliedern bestimmt.
  • Ein Mindestkapital ist nicht erforderlich, jedoch prüft der Genossenschaftsverband ob die Eigenkapitalausstattung ausreichend ist.
  • Es muss eine Eintragung in das Genossenschaftsregister beim Amtsgericht erfolgen.
  • Zudem ist eine Mitgliedschaft der eG im Prüfungsverband der Genossenschaften obligatorisch.
  • Gründungskosten: Prüfung des Genossenschaftsverbandes 500-1000 Euro, Eintragung in das Genossenschaftsregister 150 Euro
  • Eine Mitgliedschaft in einer eG ist nicht an Kapitaleinlagen gebunden; jedes Mitglied hat ein Stimmrecht, ausser es ist anders in der Satzung vorgesehen.
  • Aufnahme neuer Mitglieder oder Übertragung von Geschäftsanteilen bedürfen der Zustimmung der Genossenschaft
  • Bekanntmachungen über Beschlüsse und Versammlungen sind in öffentlichen Blättern gesetzlich Vorgeschrieben
  • Eine eG hat Buchführungs- und Bilanzierungspflichtig
  • Außerdem muss die eG den Jahresabschluss, den Lagebericht und den Bericht des Aufsichtsrats beim Genossenschaftsregister veröffentlichen.
  • Soweit  die Umsätzen unter zwei Millionen Euro und die Bilanzsumme weniger als einer Million Euro beträgt, müssen die Bücher nicht alle zwei Jahre einer Prüfung unterzogen werden.
  • Genossenschaften sind eine juristische Person, also ein Kaufmann und führen Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer ab. Dabei gibt es hier jedoch die Möglichkeit der „genossenschaftlichen Rückvergütung“, welche von beiden Steuern teilweise oder ganz befreit.
  • Eine Genossenschaft unterliegt nicht einer Gewinnerzielungspflicht sondern darf auch für soziale und kulturelle Zwecke gegründet werden.
  • Der Vorstand bzw. die Vorstandsmitglieder sind sozialversicherungspflichtig angestellt.
  • Haftungsrisiko kann im Gesellschaftsvertrag auf das Gesellschaftsvermögen begrenzt werden, ansonsten besteht „unbegrenzte Nachschusspflicht“

FÜR WEN: Genossenschaften werden oft von mehren Unternehmern und Unternehmen als Zusammenschluss gegründet, um Wissen, Ressourcen und Aufträge zu teilen und so auf einem großem Markt bessere Chancen zu haben. Damit existiert eine Genossenschaft ausdrücklich für die Förderung ihrer Mitglieder und wirtschaftet auch nur für diese. Dabei verbinden sie die Vorteile eines Kapitalgesellschaft und eines Vereins. Eine eG besitzt ein hohes Maß an Transparenz und Demokratie und Arbeitet nach den Prinzipien der Selbsthilfe. Für viele Social Start-Ups kann das also eine durchweg interessante Rechtsform darstellen.  Allerdings kann das Mitspracherecht Unternehmensprozesse auch erheblich verlangsamen. Ein weiteres Plus ist auch, dass die Genossenschaftsverbände, bei welchen man Mitglied ist viel Unterstützung und Rat bieten.

 

Aktiengesellschaft (AG), kleine AG

  • Voraussetzung ist mind. ein Gründer (der zum Vorstand berufen wird) und mind. drei Aufsichtsräte (haben Kontrollrecht, können die Handlungsbefugnis des Vorstandes beschränken und ihn sogar ggf. absetzen)Es muss eine notarielle Eintragung in das Handelsregister erfolgen
  • Ebenso ist eine notariell beglaubigte Satzung erforderlich (die formgemäß an den Grundsatz der Satzungsstrenge gebunden ist)
  • Es gibt die Möglichkeit der kleinen AG, die nicht börsennotiert ist und nur einen bis wenige Aktionäre umfasst, dadurch ist sie nicht von Börsenspekulationen betroffen
  • Grundkapital muss 50.000 Euro betragen, Ein 25% daraus muss mit der Gründung aufgebracht werden.
  • Die Gründung der kleinen AG muss durch den Vorstand, den Aufsichtsrat und einen externen Dritten (z.B. Wirtschaftsprüfer) anhand eines Prüfungsberichts geprüft und gerichtlich vorgelegt werden.
  • Es können stets neue Aktionäre und Gesellschafter hinzugenommen werden. Anteile müssen bei Abtretung nicht (wie bei GmbH) notariell beglaubigt werden. Bei Sozialunternehmen eignet sich vor allen die „vinkulierte Namensaktie“, Die Anleger erhalten jährlich eine Dividende
  • Es muss jährlich eine Hauptversammlung der Aktionäre bestellt werden, wo der Jahresabschluss vorgelegt und die Entscheidung über die Verwendung des Bilanzgewinnes bestimmt wird.
  • Als juristische Person zahlt die kleine AG die gleichen Steuerabgaben wie eine GmbH: Gewerbesteuer und Körperschaftssteuer
  • Haftung der AG in Höhe des Gesellschaftsvermögens, Aktionäre haften mit ihrer Einlage
  • Der Vorstand und der Aufsichtsrat kann gegenüber der AG jedoch haftbar gemacht werden

FÜR WEN: Die ist mittlerweile eine sehr innovative Rechtsform, die z.B. in der alternativen Landwirtschaft (z.B. Bürgeraktiengesellschaft), aber auch als gemeinnützige AG (gAG) immer wieder auftaucht.  Diese Rechtsform hat durch das Mitspracherecht der Aktionäre einen hohen partizipativen Wert. Sie ermöglicht es ausserdem, recht schnell ein hohes Eigenkapital aufzubauen (was immer besser ist, als Fremdkapital). Allerdings ist es die Form mit dem höchsten administrativen Aufwand und Startkpital. Sie eignet sich also eher für industrielle Vorhaben im Bereich Social Entrepreneuring, wo es anfänglich auf eine hohe Investitionssumme ankommt. Die Details dieser Rechtsform sind hier sicherlich nicht ausreichend dargestellt, deshalb sollte man hier ganz besonders mehr Informationen am besten durch einen Anwalt einholen.

 

Gründung einer englischen Limited (Ltd)

  • Ein deutsches Unternehmen kann nach europäischem Recht auch in einer ausländischen Gesellschaftsform annehmen.
  • Eine Ltd ist vergleichbar mit einer GmbH, jedoch wird hier weder eine Mindestkapitaleinlage noch eine notarielle Beglaubigung benötigt.
  • Gesellschafter stellen beim Companies House, dem zentralen englischen Gesellschaftsregister, einen Antrag auf Eintragung, ein sogenannten „Certificate of Incorporation“
  • Die Haftung beschränkt sich auf die Kapitaleinlage
  • Hält die Ltd. ihren Verwaltungssitz und ihren Tätigkeitsbereich in Deutschland so werden auch nur hier Steuern gezahlt. Dies gilt für jedes (weitere) Land zusätzlich.
  • Jahresabschluss nach britischen Bilanzierungsstandards

FÜR WEN: International genießt die Ltd. ein recht hohen Bekanntheitsgrad und Anerkennung. Wer also international agieren möchte, für den ist diese Form aus vermarktungstechnischen Gründen eine Option. Allerdings geht damit auch ein erheblicher zeitlicher und finanzieller Aufwand sein und ist nur ratsam, wenn man einen Fachmann für britisches Handelsrecht (company secretary) hat.

 

 

Weiterführende Links:

http://www.muenchen.ihk.de/de/recht/Anhaenge/merkblatt-social-entrepreneurship-und-rechtsformwahl2.pdf

 

 

Bildquelle: jjjjound.com

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