Finanzierung I – Finanzierungsmöglichkeiten

On 22. Februar 2014 by Anna

Die Finanzierung von Social Start-Ups ist sowohl ein umfangreiches, als auch ein sich noch in der Entwicklung befindendes Thema. Auf jeden Fall ist die Frage nach der Finanzierung wohl mit die schwerwiegenste, die sich noch vor der Gründung stellt.

Um den differenzierten Aspekten der Finanzierungsmöglichkeiten gerecht zu werden und neue Entwicklungen zu dokumentieren ist ein einzelnes Tutorial auch bestimmt nicht ausreichend.

Deshalb geht es in diesem Kapitel erst einmal um die eine Auswahl von der verschiedenen Finanzierungsinstrumente, welche einem Start-Up zur Verfügung stehen.

 

Grundsätzliche Frage 1: Eigen- und Fremdkapital

Das gesamte Hab und Gut eines Unternehmens setzt sich zusammen aus Eigenkapital und Fremdkapital. Ein Blick in eine Unternehmensbilanz macht diese Strukturen sofort ersichtlich. Dabei wirken sich beide Kapitalarten unterschiedlich auf die Geschicke des Unternehmens aus. Da jede Entscheidung für bzw gegen eine bestimmte Finanzierungsquelle diese Verhältnismäßigkeiten ändert, können falsche Entscheidungen sich negativ auf spätere Unternehmensentscheidungen auswirken. Ein grober Überblick:

Eigenkapital (EK):

  • Das Eigenkapitalvermögen erhöht die Bonität und das Rating eines Unternehmens und ist somit der entscheidend für die Kreditwürdigkeit bei Banken
  • EK wird zuallererst dadurch gebildet, dass Gesellschafter ihre Einlage (Stammkapital und Kapitalerhöhung) bei der Unternehmensgründung tätigen. Diese Einlage garantiert ihnen in der Regel auch Mitspracherecht (ausser es handelt sich um eine sog. „stille Beteiligung“) Üblicherweise profitieren die Gesellschafter dadurch auch an der Gewinnausschüttung. Gerade im Social Entrepreneuring jedoch wird der Gewinn für unternehmerische Zwecke in aller erster Linie einbehalten, also thesauriert. Vor allem aber Investoren haben größtes Interesse an einer späteren Rendite.
  • Gewinne, sofern sie nicht ausgeschüttet werden, erhöhen sodann ebenfalls das EK.
  • Das EK bestimmt auch die sog. Liquidität, welche immer gewährleistet sein sollte. Denn ein illiquides –  überschuldetes Unternehmen bedeutet oftmals den Konkurs.
  • Auch sachliches Vermögen (Anlage,- und Umlaufvermögen) können EK darstellen (jedoch nur, wenn es nicht durch Kredite, also Fremdkapital, welche noch am Laufen sind, finanziert wurden).

 

Fremdkapital (FK):

  • FK wird immer durch kurz-, mittel-, oder langfristige Kredite oder Darlehen von Gläubigern aufgenommen. Damit handelt es sich um zeitlich begrenzt zur Verfügung stehendes Kapital. Mit anderen Worten, man nimmt Schulden auf.
  • Mit den Verbindlichkeiten geht das Unternehmen sowohl Tilgungs-, als auch Zinsverpflichtungen ein. Diese Verpflichtungen sind i.d.R. unabhängig vom Erfolg des Unternehmens.
  • Die durch das FK aufgenommenen Zinsschulden sind steuerlich absetzbar.
  • FK-Geber sind meistens Banken, können jedoch auch Privatpersonen oder andere geldgebende Institutionen sein.
  • Rückstellungen, um bspw. die nächsten Steuern (Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer etc.) zu zahlen fallen ebenfalls unter das FK.
  • FK wird häufig eingesetzt um Anfangsinvestitionen zu tätigen bzw. die Anlaufzeit bis zur ersten Gewinnerzielung zu Überbrücken.
  • Im Falle einer Insolvenz trägt das Unternehmen das Risiko, ausstehende Restschulden zu begleichen.

 

 

Grundsätzliche Frage 2: Rechtsform und Gemeinnützigkeit

Die Entscheidung ein gemeinnütziges Unternehmen zu gründen hat sowohl Vorteile als auch Nachteile bezüglich der Finanzierung. Viele Förderprogramme und Stiftungen setzen leider immer noch diesen Status voraus, um Gelder zu vergeben. Auch Spenden können einfacher generiert werden, da eine gemeinnützige Organisation Spendenquittungen ausstellen darf und somit gerade Großspender besser akquirieren kann. Auch sind die steuerlichen Vergünstigungen gerade in der Anfangsphase nicht zu unterschätzen. Andererseits sind die Möglichkeiten der Gewinnausschüttung bei einer gemeinnützigen Einrichtung durch das Gebot der Selbstlosigkeit nicht gestattet, weshalb viele weitere Finanzierungsformen von vornherein wegfallen. Gerade in der Wachstumsphase, wenn höhere Kapitalsummen benötigt werden, um das Unternehmen zu skallieren und man dabei lieber einen weiteren Investor ins Boot holt statt ein Darlehen aufzunehmen ist die Gemeinnützigkeit der Sache nicht unbedingt förderlich.

Eine durchaus übliche Lösung ist es, dass von der gemeinnützigen Organisation eine NICHT-gemeinnützige Zweckgesellschaft ausgegründet wird, deren Gewinnüberschüsse an die gemeinnützige Organisation fließen. Oder aber man gründet von Anfang an neben der „geschäftstätigen“ Körperschaft auch eine gemeinnützige (z.B. Verein). Beide Möglichkeiten sind steuerrechtlich und verwaltungstechnisch leider recht kompliziert und umständlich.

 

 

 

Finanzierungsmöglichkeiten:

Hier nun eine kleine Liste der möglichen Finanzierungen. Es sei nochmal darauf hingewiesen, dass es sich bei dieser Sammlung keineswegs um eine kategorisch geordnete oder vollständige Aufstellung handelt. Hier finden sich Finanzierungsformen- und modelle neben handelsrechtlich definierten Finanzierungsarten. Somit ist es ein erster Versuch, die Finanzierungslandschaft im Start-Up-Bereich möglichst erschöpfend zu erfassen.

 

  • Darlehen (FK): Ein Darlehen bzw. ein Kredit ist in einer begrenzten Zeit zur Verfügung gestelltes FK durch einen Gläubiger, welches in Raten zurückgezahlt wird. FK-Geber verlangen also eine fristgerechte Rückzahlung des Kapitals und eine zusätzliche Verzinsung desselbigen. Es gibt verschiedene Arten von Krediten mit unterschiedlichen Konditionen; vom Hypothekendarlehen bis zum Tilgungsdarlehen. Um ein Darlehen zu erhalten, müssen meist umfassende Sicherheiten vonseiten des Kapitalnehmers geboten werden. Eine Kreditfinanzierung kommt daher für junge Unternehmen aus Mangel an Bonität nur selten in Frage. Entscheidet man sich doch für diese Finanzierungsform gilt als Faustregel für die Investition dass die Laufzeit der Kredite ungefähr der Laufzeit der daran gebundenen Mittel (also der Investition) entsprechen sollte. Bei den vielen kleinen Darlehen, welche man auf dem freien Kreditmarkt erhält sollte man unbedingt aufpassen, sich nicht zu überschulden. Für junge Unternehmen seien dabei die Möglichkeiten eines Kredites der KfW-Bank mit günstigeren Konditionen hervorgehoben.

 

  • Mikrokredit (FK): Besondere Erwähnung bei den Darlehen verdient natürlich der Mikrokredit, die besonders soziale und existenzgründer-freundliche Variante des Darlehens, welche von Muhammad Yunus ins Leben gerufen wurde. Mikrokredite werden mittlerweile von vielen Fonds und Banken vergeben. Das Antragsverfahren ist einfacher, die Hürden der Bonität viel niedriger. Vergeben werden hier fast ausschließlich Kleinkrediten von ca 5-50 T. Euro. Die dafür gestellten Mittel kommen vom Mikrokreditfond Deutschland mit einem Volumen von ca 100 Mio. Euro. Vermittelt werden die Mikrokredite über akkreditierte Finanzinstitute, welche oftmals selber kleine und mittelständische Unternehmen sind.

 

  • Bürgschaft: Das ist keine Finanzierung im eigentlichem Sinne, jedoch ein Segen für Start-Ups, welche den Banken noch keine eigenen Sicherheiten bieten könnten, und trotzdem ein Darlehen aufnehmen möchten. Hierbei bürgen Dritte für das Ausfallrisiko eines Kredites, d.h. sie würden im Falle z.B. eines Konkurses die Rückzahlung des Kredites übernehmen. Für diese Sicherheit erhalten Sie im Gegenzug meist jährliche Provisionen von 1-2% des Kreditbetrages. Bürgschaftsbanken gibt es in jedem Bundesland, wo sie sich v.a. um die ortsansässigen mittelständischen Unternehmen kümmern. Der Weg zu ihnen führt meist über die Hausbank.

 

  • Social Impact Bonds: Social Impact Bonds sind z.B. in Großbritannien gängige Praxis, in Deutschland jedoch erst noch in der Entwicklung. Privatleute und Institutionen (oftmals Stiftungen) gründen dabei einen Fond. Aus diesem Fond finanzieren die Investoren ein oder mehrere soziale Unternehmen durch Eigenkapitalbeteiligung. Die Renditeausschüttung erfolgt alsdann jedoch nicht vom Unternehmen aus, sondern wird vom Staat getragen. Wie ist das möglich? Diese Rendite errechnet sich aus der Kosteneinsparung für den Staat durch den Social Impact des Projektes. Denn der soziale Nutzen des Unternehmens kann u. U. Opportunitätserlöse für den Staat einbringen. Dies setzt natürlich voraus, dass das Projekt eine messbare Größe des Nutzens erreicht, welche sich finanziell beziffern lassen. Der erste in Deutschland aktive Social Impact Bond ist juvat. 

  •  Private Equity (EK): ist privates Beteiligungskapital durch Personen, institutionelle Investoren oder einer Venture Capital Gesellschaft. Ihr zur Verfügung gestelltes Eigenkapital macht sie somit zu Mitgesellschaftern des Unternehmens. Private Equity geht normalerweise einher mit hohen Renditeerwartungen, da die jungen und oftmals innovativen Unternehmen (in diesem Zusammenhang auch Portfoliounternehmen genannt) zwar vielversprechende Wachstumschancen, jedoch keine Sicherheiten bieten können. Die Finanzierungssummen finden sich in jeder Größenordnung wieder. Beteiligungen finden meistens zwischen 20-35% des Unternehmenswertes statt und beinhalten oftmals Kontroll- und Mitspracherecht (seltener sind stille Beteiligungen). Dafür wird dieses sog. Venture Management eigentlich immer von umfassenden Betreuungs-, und Beratungsangeboten beim Tagesgeschäft, der strategischen Ausrichtung, dem Organisationsaufbau oder durch die Funktion als Vermittler und Türöffner begleitet.Ebenso fast immer ist diese Beteiligung auch an eine Laufzeit gebunden (3-10 Jahre). Die Rendite kann sowohl als laufend ausbezahlte Dividenden, als auch durch die spätere Veräußerung der Beteiligung an die Gesellschafter fließen. Die genannte Veräußerung, auch Exit genannt, ist ebenfalls unterschiedlich handhabbar. Sie kann durch einen Rückkauf, Börsengang oder Übergabe der Beteiligung an andere Investoren geschehen.
    Eine weitere und in Deutschland viel praktizierte Form des Private Equity ist im übrigen die Kommanditgesellschaft (KG), wobei die sich beteiligende Partei als Komplementär dient.
    Weitere Formen des Private Equity sind das weiter unten genannte Mezzaninenkapital oder die Beteiligung von Business Angel. Hier findet Ihr eine Auswahl von verschiedenen Arten von Venture-Capital-Gesellschaften. Auch wenn das Private Equity gerade von jungen Unternehmen kritisch geprüft werden sollte, ist dies auch im Bereich Social Entrepreneuring mittlerweile eine anerkannte Finanzierungsalternative mit entsprechenden Anbietern. Unter dem Schlagwort „Venture Philantropy“ finden sich Beteiligungsgesellschaften wie Bonventure, Social Venture Fund, Permira, Tivola Ventures oder die Tengelmann Social Venture Unit.

 

  • Crowdfinancing (EK): Teilweise auch unter dem Begriff Crowdinvesting laufend unterscheidet sich diese Form grundlegend vom sog. Crowdfunding. Denn hier geht es tatsächlich um Eigenkapitalbeteiligung. Dabei werden interessierte Kleinanleger über eine Online-Plattform mit Unternehmern zusammengebracht. Auch hierbei erhalten die Anleger eine stille Beteiligung oder Genussrechte, d.h. sie erhoffen sich eine Erfolgsbeteiligung in Form einer Rendite, haben jedoch kein Mitspracherecht am Unternehmen. Es gibt eine ganze Reihe von Anbietern: Bekannt sind u.a. Bettervest, Bergfürst , Seedmatch und Innovestment

 

  • Ausschreibungen: Public-Private-Partnership ist hier das Stichwort. Die EU, Länder und Kommunen verlagern zunehmend die Durchführung von lokalen Projekten nach Aussen. Dies gilt natürlich nur für Leistungen, die im öffentlichen Interesse sind. Dementsprechend sind die Gelder auch streng Zweckgebunden und dienen nicht im allgemeinen der Finanzierung der Organisationen, sondern nur zur Durchführung vereinbarter Vorhaben. Auch wenn Public-Private-Partnership zurecht oftmals in der Kritik steht sind Ausschreibungen auf kleinerer lokaler Ebene meist eine sehr nachhaltige Angelegenheit. 

  • öffentliche Förderprogramme: die öffentliche Hand, sowohl auf EU-, Bundes, als auch Länderebene, stellt eine Reihe von unterschiedlichen Instrumenten zur Förderung einzelner Unternehmen zur Verfügung. Dabei handelt es sich sowohl um niedrig verzinste bis zinsfreie Darlehen mit günstigen Konditionen oder auch Zuschüsse, welche nicht zurück gezahlt werden müssen. Die Förderprogramme richtigen sich meistens an spezifische Regionen, Branchen, Projektarten oder Trägerschaften. Meistens müssen die Anträge vor Projektbeginn gestellt werden. Die Förderdatenbank enthält die größte Sammlung dieser Förderprogramme für alle Branchen. 

  • Wettbewerbe (EK): Immer in Erwähnung gezogen werden sollten Wettbewerbe. Ein Gewinn steigert nicht nur das EK sondern meistens auch die öffentliche Aufmerksamkeit. Es gibt dabei zahllose Möglichkeiten, vom Businesplanwettbewerb bishin zu branchen- oder regionalspezifische Wettbwerben. Hier eine kleine Auswahl im Bereich Social Entrepreneuring: startsocial, Act for Impact, European Social Innovation CompetitionSeif award 

  • Genussrechte (FK/EK): Auch die Genussrechte verdienen nochmal einen Augenmerk, denn es handelt sich hier um eine recht unbürokratische Finanzierung, wie sie in Bereichen, wo lokal handelnde Produzenten ihre Kunden aus der direkte Nachbarschaft zu Teilhabern am Unterehmen machen. Genussrechte versprechen den Anlegern eine recht hohe (aber erfolgsabhängige) Rendite, welche jedoch auch mit einem hohen Ausfallsrisiko (ähnlich dem Nachrangdarlehen) einhergeht. In der Praxis wird die Rendite auch gerne in Naturalien ausbezahlt. Deshalb ist sie vor allem in der innovativen Landwirtschaft eine gefragte Finanzierungsform. Desweiteren handelt es sich immer um eine stille Beteiligung. Inwiefern die Ausstellung von sog. Genussscheinen da EK oder das FK betreffen, hängt von der jeweiligen Ausarbeitung des Genussvertrages ab. Es ist daher dringend die Begleitung eines Anwalts- und Steuerexperten anzuraten.

  • Mezzanine Kapital (FK/EK): Ist eine Mischform aus EK und FK und wird u.a. von der Bank für Sozialwirtschaft zur Verfügung gestellt. Im Mezzanine Kapital enhalten sind stille Beteiligung, Genussrechte, Nachrangdarlehen oder andere Finanzierungsoptionen, die dem Bedarf des Unternehmens und des Kapitalgebers individuell angepasst werden können. Der Fond der Bank für Sozialwirtschaft führt einen Fond in welchen Kapitalgeber ab 200 T. Euro einzahlen und dafür ca. 7% Zinsen p.a. erhalten. Dieser Fond speist wiederum mehrere kleine und mittlere Organisationen und Projekte per Genussrechte mit bis zu 1,5 Mio Euro. Für Existenzgründer könnte auch das Mikromezzanin der jeweils im Bundesland tätigen Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft interessant sein. 

  • Leasing: Beim Leasing erwirbt man gegen Gebühren das Nutzungsrecht für einen Gegenstand oder einer Lizenz vom rechtlichen Eigentümer, dem Leasing-Geber. Dies ist meist an eine vordefinierte Laufzeit gekoppelt. Leasing ist besonders sinnvoll bei langfristigen, kostspieligen Vermögensgegenständen (KfZ, Maschinen etc). Leasingraten sind steuerlich absetzbar und berühren in der Bilanz weder das EK noch das FK, sondern werden als laufende Kosten unter den Aufwendungen der Gewinnermittlung verbucht. 

  • Businessangel (EK): Auch hier handelt es sich um eine Form des Private Equity, wobei jedoch eine einzelne Person agiert. Sie stellt Kapital und Beratung an junges Unternehmen und erwirbt im Gegenzug Unternehmensanteile durch eine direkte Beteiligung anhand einer Anschubsfinanzierung oder Wachstumskapital. Sind in Netzwerken zu finden, wie dem Business Angels Netzwerk Deutschland e.V.. Da es sich um Einzelpersonen handelt, sind hier sehr persönliche Kooperationen möglich. 

  • Inkubatoren: ähnlich, wie Business-Angels investieren auch sie oftmals in einer sehr frühen Gründungsphase (sog. Anschubfinanzierung oder Seed capital) und stellen Know-How und Netzwerk zur Verfügung. Inkubatoren können sowohl öffentlich initiierte Einrichtungen z.B. an Universitäten sein, als sich auch aus Venture Capital Fonds und Business Angels zusammensetzen. Sie stellen ein ganzes Experten-Team an die Seite und unterstützen das Unternehmen solange, bis es auf eigenen Beinen stehen kann; klassischerweise z.B. durch die Verfügungstellung von Infrastruktur und Bürofläche. 

  • Crowdfunding (EK): Crowdfunding hat sich auch endlich in Deutschland zum Standard-Tool der Finanzierung vor allem für Neugründungen und innovative Projekte herausgestellt, so dass mittlerweile beachtliche Finanzierungssummen erreicht werden können. Es gibt eine ganze Reihe von Plattformen (die bekannteste ist wahrscheinlich startnext) und noch mehr Tipps&Tricks im Internet, wie man eine gute Crowdfunding-Kampagne aufbaut. Auf ausschließlich soziale Projekte spezialisiert hat sich z.B. socialfunders. 

  • Stiftungen: Es gibt zahlreiche Stiftungen, in den verschiedensten Sparten und mit sehr unterschiedlichen Strategien. Nicht alle Stiftungen sind Förderstiftungen; einige arbeiten auch operativ, initiieren also ihre eigenen Projekte. Die Voraussetzungen und Konditionen ihrer Förderung sind höchst unterschiedlich. Im Bereich Social Entrepreneuring unterwegs sind u.a. die Schwabfoundation, die Stiftung Mercator und die Vodafone Stiftung. Weitere sind hier und hier zu finden. 

  • Mitarbeiterkapitalbeteiligung (EK): Dies ist eine wunderbare Form der EK-Finanzierung und eignet sich vor allem für Sozialunternehmen. Diese Option wird bei vielen Aktiengesellschaften längst praktiziert, jedoch funktioniert es auch bei den meisten anderen Rechtsformen. Das Prinzip ist einfach: Mitarbeiter werden durch eine gesonderte Vereinbarung zu Mitgesellschaftern des Unternehmens. Die Vorzüge dieser Finanzierung liegen auf der Hand. Für ihre Kapitalbeteiligung erhalten die Mitarbeiter natürlich eine entsprechende Ausschüttung. Da diese Form der Beteiligungsfinanzierung juristisch recht aufwändig ist und man einiges an rechtlichen Stolpersteinen beachten muss, sollten die Rahmenbedingungen und vertraglichen Ausformulierungen jedoch nur mit einem Fachexperten getätigt werden. 

  • Lieferantenkredit (FK): Bei diesem kurzfristigen und formell sehr einfachen Kredit wird mit dem Lieferanten vereinbart, dass die gelieferte Ware nicht sofort, sondern zu einem späteren Zeitpunkt bezahlt wird. Üblich sind 30-90 Tage. Das gibt dem Unternehmen Zeit und schont somit die Liquidität. Als Sicherheit für den Lieferanten gilt der Eigentumsvorbehalt, er kann also die Ware zurückverlangen. Der Kredit muss im Kaufvertrag vereinbart werden und zeigt sich dadurch, dass der Lieferant dem Käufer ein Skonto für ein bestimmtes Zahlungsziel (z.B. 2% Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen) einräumt. Zahlt der Käufer jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt könnten sehr hohe Zinsen (welche im Kaufvertrag wiederum nicht auftauchen) in Kraft treten, die er zudem tragen muss. Diese Finanzierung ist also eine recht kostspielige Form der Fremdkapital-Finanzierung. Um hier in keine finanzielle Falle zu tappen, sei dieser Berechnungs-Link empfohlen.

  • Spenden (EK): Gehören oftmals zur festen Repertoire von Finanzierung von sozialen Projekten und sind eine der Hauptgründe dafür, dass einige Firmengründungen am Status der Gemeinnützigkeit interessiert sind. Aber natürlich kann man auch ohne diese Spenden sammeln. Entsprechendes Fundraising kann sehr unterschiedlich aussehen. Von Spendenboxen, bishin zum klassischen Kuchenverkauf gegen Spende über Spendensammel-Portale wie betterplace.com. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt und im Übrigen auch nicht auf finanzielle Mittel beschränkt. Auch Sachspenden und Zeitspenden sind möglich oftmals sehr interessante Alternativen. Eine gute Anlaufstelle online in dieser Sache ist sicherlich Betterplace. Wer etwas Orientierung im Spendendschungel sucht, findet im Fundraiser Magazin hilfe. 

  • Kontokorrent (FK): Sollte im vernünftigen Rahmen eingerichtet werden, um den laufenden Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Um monatlich Löhne zu bezahlen und eventuelle Zahlungseingangsausfälle zu tragen muss es möglich sein, kurzfristig das Konto zu überziehen und nicht gleich Zahlungsunfähig zu sein. Wenn es soweit ist, jedoch Notbremse ziehen! Bei der Wahl der Banken gilt es im Social Entrepreneuring natürlich, die nachhaltigere Wahl zu treffen. Zwei sehr geläufige Geschäftsbanken sind hierbei die GLS Bank und die Triodos Bank, Ethikbank oder die Umweltbank. 

  • Weitere Alternativen: Die Liste der Möglichkeiten ist noch lange nicht ausgeschöpft, vor allem, wenn man bedenkt, dass Unterstützung nicht nur in finanzieller Form, sondern auch durch Sachleisteungen oder Beratungsleistungen erfolgen kann. Deshalb folgt hier noch eine kurze, unsortierte Stichwortliste:Sponsoring (aufpassen, Sponsoring ist eigentlich eine umsatzsteuerpflichte Dienstleistung), Pro-Bono, Mitgliedsbeiträge für Vereine, Franchise, Mediapartnerschaften, Acceleratoren, Freunde & Familie, Existenzgründungszuschüsse, Stipendien (hier besonders erwähnen möchte ich das PEP-Programm von Ashoka), Matching Funds

  • Wichtige Dienstleister auf dem Gebiet Social Entrepreneurship: Folgende Finanzierungshelfer sind nicht konkret einzuordnen, jedoch unbedingt einen Blick wert: FASE und chariteam

 

 

 

Lesenswerte Links:

Open Transfer Links zur Finanzierung

Dr. Horst Werner über allgemeine Unternehmensfinanzierung

welt.der.bwl.de zur verschiedenen Finanzierungsformen

Förderland

Bürgergesellschaft – Wie man an mehr Eigenkapital gelangen kann

Eine gute Sammlung von Online-Fundraising-Plattformen verschiedenster Arten

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