Behind the Desk: PEP von Ashoka – Christine Hoenig-Ohnsorg

On 3. Dezember 2015 by Anna

Die Förder- und Finanzierungslandschaft für Sozialunternehmen und Social Start-Ups in Deutschland befindet sich gewissermaßen noch im Aufbau und mit ihr eine souveräne Gründungs- und Bewerbungspraxis, wenn es um die Suche nach den richtigen Finanzierungspartnern geht.
Deshalb soll an dieser Stelle regelmäßig eine Entscheidungsperson aus Stiftungen, Beteiligungsgesellschaften und Förderprogrammen zu Wort kommen und von ihren Erfahrungen, ihrer Arbeit und ihren Anforderungen bei der Bewerberauswahl erzählen.

Gesellschaftliches Engagement während des Studiums ist für Studenten fast schon eine Selbstverständlichkeit. Leider verliert sich der persönliche Einsatz mit dem Eintritt in das anschließende Berufsleben meist ziemlich schnell in den Anforderungen und dem Alltagsstress der Karriereplanung.
Ashoka wollte genau hier ansetzen und hat 2012 ein Stipendienprogramm für diese Zielgruppe aufgestellt, welche das soziale Engagement und das innovative Talent der Absolventen weiter fördern soll. Denn für die Weiterentwicklung einer vielversprechenden Idee hin zu einer beruflichen Zukunft bedarf es Zeit und finanzielle Sicherheit. Beides ermöglicht PEP – das Programm Engagement mit Perspektive.
Nachdem Christine Hoenig-Ohnsorg bereits mehrere Jahre in der interkulturellen Beratung gearbeitet hatte und sich selbst pro bono als Moderatorin für Ashoka engagierte, ist sie nun Programmleiterin für PEP und für den Aufbau, die Koordination und Programmgestaltung zuständig.

 

Frau Hoenig-Ohnsorg, was genau leistet PEP?

PEP ist in erster Linie ein Förderprogramm für engagierte junge Menschen. Wir bieten u.a. die Möglichkeit eines Vollzeitstipendiums für ein Jahr, welches alle notwendigen Lebenshaltungskosten umfasst und zusätzlich durch Strategieberatung, Mentoring und persönlichem Coaching begleitet wird.
Wir verstehen uns dabei als Personenförderung. Das bedeutet, dass hier die persönliche Weiterentwicklung des Changemakers im Vordergrund steht. Das Programm gibt ihm oder ihr die Möglichkeit, sich intensiv mit dem Gründungsprojekt auseinanderzusetzen und sich als Sozialunternehmer verstehen zu lernen.
Neben Stipendien hat PEP die Wirkungsschmiede Teilhabe und IT4Change entwickelt. Beides sind Programme, welche an zwei bis drei Wochenenden verteilt über ein Jahr den Sozialunternehmern eine Intensivzeit anbieten, um an ihrer Wirkungskette, ihrem Geschäftsplan und der Skalierung der Lösung zu arbeiten. Dabei treffen sich die Teams zum Peer-to-Peer-Austausch, es gibt Wissen von eingeladenen Experten, sowie die Möglichkeit in Beraterrunden und im persönlichen Coaching an bestimmten Problemstellungen zu arbeiten.
Während IT4Change für Projekte mit technologiebasierten Lösungen interessant ist und SAP zum Partner hat, richtet sich die Teilhabe-Wirkungsschmiede an Projekte im Bereich der gesellschaftlichen Teilhabe (Migration, Jugend und Bildung, sowie Gesundheit, Medizin und Pflege) in Kooperation mit den Maltesern.
Ganz unabhängig vom thematischen Schwerpunkt des Projekts bieten wir zudem deutschlandweit Weiterbildungen zu unterschiedlichen Themen an, die für Engagierte frei zugänglich sind und dabei helfen, die Arbeit der Projekte zu professionalisieren.

 

Wie kann man sich die Zusammenarbeit als PEP-Stipendiat vorstellen?

Im Sommer findet die Auswahl der Stipendiaten statt. Im Herbst startet das Stipendienjahr mit einem Onboarding zum gemeinsamen Kennenlernen. Der Peer-to-Peer-Austausch ist im Ashokaprogramm fest verankert. Wir bringen die Teilnehmer in regelmäßigen Abständen zusammen und laden sie darüber hinaus zu Veranstaltungen von Ashoka ein, oftmals entstehen dort wichtige Kontakte.
Außerdem erhalten die Stipendiaten einen persönlichen Mentor aus dem Unternehmensnetzwerk. Es gibt diverse Strategiegespräche, wo die Ausrichtungen der Projekte entsprechend ihrer Wirkung gefestigt und Ziele ausgearbeitet werden. Daneben finden persönliche Coachings statt, abgeschlossen wird das Jahr mit einem Offboarding und einem Report nach Social Reporting Standard, welcher von den Stipendiaten erstellt wird.

 

Welche Kriterien sind bei Eurer Auswahl der Stipendien entscheidend?

Neben der Altersbegrenzung von 16-27 Jahren und der Anforderung, dass das Projekt einen gesellschaftlichen Mehrwert leistet, sollte der Proof of Concept im Rahmen des Möglichen vorhanden sein. Das bedeutet, dass man mit der Zielgruppe bereits gearbeitet hat und das Projekt zumindest im kleinen Maßstab schon mal erfolgreich erprobt hat.
Wir suchen natürlich nach Innovativen Ideen mit gesellschaftlicher Relevanz und nach unternehmerischen Menschen, die in ihrem Vorhaben gewissermaßen eine Lebensaufgabe sehen – Leute, die nicht nur eine Idee haben, sondern auch Macher sind. Ihre Leidenschaft und ihr Einsatz für ein bestimmtes Thema wollen wir fördern.

 

Wie kann man sich bei Euch bewerben?

Für unsere Ausschreibungen kann man sich jeweils online bewerben, für Weiterbildungen genügt eine Anmeldung zur Veranstaltung, ebenfalls online. Aktuelle Ausschreibungen werden auf unserer Webseite und Facebook angekündigt. Die Programme IT4Change, Teilhabe und die Stipendien starten jeweils im Frühjahr/Sommer in die Ausschreibungsphase, Weiterbildungen finden unterjährig statt.
Alle Bewerbungen laufen online ab, lediglich für das Lebenshaltungsstipendium findet die Auswahl zusätzlich bei einem Auswahltag statt, wo man sich und die Idee einer Jury aus dem Netzwerk von Ashoka vorstellt. Dabei legen wir ein besonderes Augenmerk auf die Wirkungslogik der Idee und die persönliche Motivation des Bewerbers.

 

Was wäre für Euch in einer Bewerbung ein Ausschlusskriterium?

Kein Ausschlusskriterium, vielmehr häufig beobachtetes Phänomen ist, dass der Bezug zum Problem und der Kontakt zur Zielgruppe oft ausschlaggebend für die Überzeugungskraft und das Gelingen einer Idee ist. Wenn man sich damit tiefgehend auseinandergesetzt hat und die Lösungen, die es bereits gibt, einbezieht, wird es viel einfacher, den bestmöglichen Ansatz zu finden, um einen sinnvollen Beitrag leisten zu können.

 

Inwiefern entwickelt sich gegenwärtig der Bereich Social Entrepreneurship in Deutschland?

Wir sind an einem Punkt, wo viele junge Menschen gezielt einen Job mit gesellschaftlicher Wirkung suchen und ihre berufliche Zukunft mit persönlicher Erfüllung verbinden möchten. Die Kultur der sozialen Start-Ups unterstützt diese Entwicklung und bietet hier neue Möglichkeiten, genau das zu tun. Das ist ein spannendes und wachsendes Feld; auch bezogen auf die Unterstützungslandschaft: Universitäten, Inkubatoren, Acceleratoren, Förderprogramme… Hier entstehen im Moment interessante neue Anknüpfungspunkte und Angebote.
Richtig interessant wird es im Feld Social Entrepreneurship, wenn wir es schaffen, die großen Playermit einzubinden. Z.B. Wohlfahrtsorganisationen, die ganz essentielle Einblicke in Fragestellungen und eine breite Infrastruktur zur Verbreitung von Lösungen bieten können. Und natürlich die Politik, welche sich fragen muss, wie ein Ökosystem aussehen könnte, das soziale Innovationen besser unterstützt jungen Menschen ermöglicht, ihren Beitrag auszubauen und ihre Ideen unternehmerisch umsetzen.

 

Haben Sie noch einen Expertentipp für junge Sozialunternehmer?

Erstens: Denkt Euer Projekt von der Wirkung her. In dem Moment, wo eine sinnvolle Wirkungslogik und einen nachvollziehbaren gesellschaftlichen Impact erkennbar ist, lassen sich auch passende Finanzierungswege realisieren, daran habe ich keinen Zweifel. Entsprechend sollte man die Idee erstmal nicht durch die gegebene Finanzierung limitieren, sondern darf groß und weit planen.
Zweitens: Redet über Eure Idee und entwickelt sie im Austausch mit anderen weiter. Das bedeutet auch, offen zu sein für Feedback und Weiterentwicklungsmöglichkeiten.
Und drittens: Verbündet Euch mit Partnern und Organisationen aus dem gleichen Problemfeld. Wenn Ihr es schafft, innerhalb der bestehenden Wirkungskette Euren Platz zu finden und Synergien mit anderen aufzubauen, wird Euch das mit Sicherheit nicht nur viel Unterstützung bringen, sondern Euren Impact vervielfachen.

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