Impact I – Wirkung sichtbar machen

On 6. August 2013 by Anna

Was ist der Social Impact?

Der Social Impact ist der wohl adäquateste Indikator, wenn es um die Definition von Social Entrepreneurship geht. Denn er umschreibt die direkte Wirkungskausalität zwischen Ausgangslage, Intervention des Unternehmens und dem Sozialgewinn, wohingegen ein konventionelles Unternehmen i.d.R. einen Markt generiert, indem es durch ein Produkt / eine Dienstleistung einen neuen Bedarf fördert. Da einem Sozialunternehmen der Handlungsbedarf eigentlich immer vorausgeht, kann auch nur hier von einer rückkoppelnden Eigenschaft gesprochen werden. Der Social Impact ist das stete Bestreben des Social Entrepreneurings eine konkrete, spürbare Veränderung in bestimmten Bereichen zu erzielen.

Aus diesem Ansatz heraus, wäre es demnach auch streitbar, ob ein Unternehmen auch dann als Sozialuntenehmen bezeichnet werden kann, wenn seine Unternehmensmodell nicht auf den besagten Social Impact aufbaut, sondern lediglich seine Gewinne in externe soziale Projekte (teil-) investiert oder ein Produkt mit umweltfreundlichen Eigenschaften auf den Markt bringt (auch wenn beide einen unbestreitbaren positiven Effekt auf die Gesellschaft und die Umwelt haben). Aber das wäre im Momen zu weitführend.

 

Er ist quasi eine Leistungs- und Wirkungsmessung des sozialen Mehrwertes eines Sozialunternehmens und stützt das Unternehmensziel durch unterschiedliche Modelle der Messung und Berichterstattung an sämtliche Stakeholder (Mitarbeiter, Teilhaber, Lieferanten, Kunden, Förderer, Gesellschaft). Um ihn zu ermitteln, gibt es unterschiedlichste Kriterien und Herangehensweisen Auch beschäftigen sich diverse Institutionen mit dem Thema (so die Social Impact Analysis Association“) und es gibt eine Anzahl von Dienstleistern, die sich auf die Wirkungsmessung spezialisiert haben, wie den Bertelsmann-Ableger „Phineo“.

 

Um ein Sozialunternehmen also messen zu können, muss es als solches erstmal aufgebaut sein. D.h. es muss in seiner Gesamtheit auf ein soziales Unternehmensziel ausgerichtet sein. Und damit kommen wir auch schon zum ersten Instrument, das dabei hilft, den Social Impact systematisch darzustellen. Denn was für konventionelle Unternehmen die gängige Operationalisierung von Unternehmenszielen ist, ist für das Sozialunternehmen die „Theory of Change“.

 

Theory of Change

Dabei handelt es sich im Grunde um nichts anderes, als ein Modell, um die Mechanismen der sozialen Gegebenheit und die unternehmerische Mission aufzuclustern. Ein niedergeschriebenes sog. „Mission Statement“ ist bereits die halbe Miete. Hier beschreibt man die Stakeholder, die Ausgangssituaion, die Problematik und bisherige Lösungsansätze sowie eigene Wertmaßstäbe, Zielsetzungen, die Herangehensweise und das Produkt.

Die „Theory of Change“ (auch bekannt als Impact Map) kann hier als eine professionalisierte Version dienen, denn sie beschreibt die spezifische Wirkungskette des Unternehmens.

Dabei werden zunächst die genaueren Umstände, die verändert werden wollen, dargestellt. Hierbei zu beachten sind alle relevanten Akteure (auch bereits intervinierende Institutionen), welche die Situation beeinflussen. Sämtliche Faktoren, die schließlich zu einer Veränderung der Umstände führen können, müssen identifiziert und in ihrer Wirkungsweise analysiert werden. Schließlich werden diese oder Teile davon in konkrete Aktivitäten umgewandelt und ein langfristiges Zielprogramm für das Unternehmen, das alle Maßnahmen umfasst, definiert. Die geplanten Aktivitäten können wiederum als wirkungsorientierte Projektprozesse beschrieben werden, deren Wechselwirkungen und Rückwirkungen systematisch aufgedeckt werden. In einem letzten Schritt müssen dann entsprechende Indikatoren gefunden werden, welche das Erfolgsresultat anzeigen könnten.  Das ganze sollte idealerweise auch grafisch veranschaulicht werden. Je spezifischer und umfassender diese Theory of Change aufgestellt ist, desto leichter lässt sich der Social Impact beurteilen.

 

 

Eine erste Einführung in die Ermittlung des Social Impacts:

Warum sollte man den Social Impact messen:

  • Eine Leistungs- und Wirkungsmessung ermöglicht es, die eigenen Prozesse bezüglich ihres Aktions-Wirkungs-Verhältnisses zu optimieren und  Ressourcen besser zu planen.
  • Er erleichtert die Sichtbarmachung und Vermittlung der sozialen Mission nach Aussen und die Ansprache der Stakeholder.
  • Denn schließlich gilt es, mögliche Investoren durch die soziale Rendite anzusprechen, als durch einen Financial Return zu überzeugen. Die ansprechende Wirkung von Zahlen und Hard Facts ist nicht von der Hand zu weisen und schafft sofort mehr Vertrauen in das Unternehmen.
  •  Ein messbarer Social Impact ist auch bei einer Rechenschaftspflicht für erhaltene Förderungen dienlich. Je konkreter die Erfolgsevaluation desto besser ist die Argumentationslinie.

 

Um den Social Impact sukzessiv herauszufiltern, sollte man sich erst einmal folgende Fragen stellen:

Wer sind meine Anspruchsgruppen? Wie stellt sich ihre Situation dar? Wie kann das Unternehmen auf diese Situation einwirken? Welche Indikatoren zeigen einen Erfolg der Bemühungen an?

 

Welche Faktoren gelten als sozialer Gewinn?

  • Individuelle, materielle Güter ökonomischer Art (z. B. Einkommen, Lebensbedingungen, Gesundheit)
  • Individuelle, immaterielle Güter  (z. B. Bildung, Selbstwertgefühl, soziale Inklussion)
  • Gemeinschaftliche, materielle Güter ökologischer Art  (z. B. Infrastruktur, Umweltqualität, Hygiene, Mobilität)
  • Gemeinschaftliche, immaterielle Güter sozio-kultureller Art  (z. B. Familienverhältnisse, kulturelle Vielfalt, Frieden, Sicherheit).

 

Welche Kennzahlen können herangezogen werden:

Der Social Impact eines Sozialunternehmens lässt sich manchmal nur sehr schwer quantifizieren. Es gibt jedoch sicherlich ein paar Kennzahlen, welche eine Messung ermöglichen:

  • Betriebszahlen sind immer vorhanden und können unterschiedlich dargestellt werden: Projektkosten, Kosten pro Kunde, Anzahl der Veranstaltungen, Besucherzahl etc.
  • Beim statistischen Bundesamt gibt es viele abrufbare Erhebungen, die sehr detailliert Aufschluss über diverse gesellschaftliche Bedingungen in Deutschland bieten.
  • V.a. in Universitären Katalogen kann man viele weitere Studien finden und ggf. vor Ort einsehen.
  • Auch Online gibt es oftmals Hinweise auf Quellen von Zahlenmaterial zu bestimmten Fachgebieten.
  • Für lokal arbeitende Unternehmen lohnt sich die Kontaktierung des örtlichen Bezirksamtes o.ä., denn hier werden oftmals lokale Studien in Auftrag gegeben, um die eigenen Demografien besser zu erfassen.
  •  Zur Not können auch eigene Umfragen und Erhebungen in durchgeführt oder in Auftrag gegeben werden. Diese sind dann zwar nicht unbedingt repräsentativ, können aber vor allem bei schwer zu erhebenden Kennzahlen für eine erste Schätzung behilflich sein.

 

 

Social Impact Measurement anhand des Logic Models:

Um die Resultate der Arbeit in numerische Kategorien zu fassen, müssen Betriebszahlen betrachtet und einige weitere Messwerte (siehe oben) der Unternehmung konsultiert werden.

  • Input: Kosten der Aktivität (Material, Betriebskosten, Personal, andere Projektkosten)
  • Output: die direkten und konkreten, messbaren Resultate der Aktivität. (z.B. Anzahl der Teilnehmer am Nachhilfeunterricht, Anzahl der gehaltenen Unterrichtsstunden, Marktanteil des Angebotes)
  • Outcomes: die kurz- und mittelfristig erzielten Folgewirkungen, welche die Lebensbedingungen von Zielgruppen oder Situationen sichtbar verbessern. (z.B. Anzahl der Teilnehmer mit abgeschlossenem Schulabschluss nach Teilnahme am Nachhilfeunterricht.)
  • Impact: Die langfristigen, sichtbaren Verbesserung und Folgewirkungen auf bestimmten Gebieten zeigen sich meist zeitverzögert und sind nicht ausschießlich den Aktivitäten der Organisation zuweisbar. Der Impact beschreibt quasi den Netto-Einfluss, der um diese sog. Deadweights bereinigten Wirkung. (z.B. Wieviele Teilnehmer hätten ohne die Angebotene Nachhilfe keinen Schulabschluss erhalten?)

 

SROI:

Die Methode des Social Return on Investment (SROI) scheint im Bereich der Sozialunternehmen und Venture Philantropy mittlerweile ein allseits anerkannter Konsens. Er ist der Versuch eine konkrete Kennzahl für die  sozio-ökonomische Wertschöpfung zu finden. Dazu wird der monetär gemessene Mehrwert den dazu notwendigen Investitionen gegenübergestellt. Der ermittelte Koeffizient beziffert quasi die soziale Rendite.

 

 

Der Social Report

Eine Wirkungsmessung lässt sich aber auch qualitativ darstellen.

Was für herkömmliche Unternehmen der jährliche Geschäftsbericht an ihre Investoren ist, ist der Social Report sozialer Unternehmen an ihre Stakeholder. Hier werden möglichst transparent die Performance und die Ergebnisse der Geschäftstätigkeit dargelegt. Für viele Organisationen ist dies oftmals leider nur eine leidliche Notwendigkeit um einen regelmäßigen Bericht für erhaltene Förderungen abzugeben. Denn da es noch keine wirklichen Richtlinien auf dem Gebiet gibt, kann das für eine Organisation mit mehreren Förderungen sehr zeitintensiv ausfallen.

Standardisierung könnte das zukünftige Reporting optimieren. Es würde die Vergleichbarkeit von Performance fördern und so ein paar Benchmarks ermöglichen. Erste Ansätze dazu gibt es glücklicherweise bereits und sie sind im Internet erhältlich. Zwei davon stelle ich kurz vor:

 

Social Reporting Standards (SRS) inkludiert auch den Organisationsaufbau und die Betriebsfinanzen und dokumentiert genau die erreichte Wirkungskette des Unternehmens. http://www.social-reporting-standard.de/

 

Impact Reporting and Investment Standards (IRIS) ist ein Set von Indikatoren, welches Sozial- und Umweltperformances vergleichbar macht. In anglizistischen Ländern wird er gerne als Vorlage benutzt. Seine Inhalte sind dabei ähnlich dem SRS: Organization Description, Product Description, Fiancial Performance, Operational Impact, Product Impact. http://iris.thegiin.org

 

 

Fazit:

Der Social Impact stellt das A und O eines Sozialunternehmens dar. Ihn analytisch zu betrachten und Maßnahmen an ihm zu orientieren sind für Sozialunternehmen ausschlaggebend.

Die Messung und Darstellung des Social Impacts ist ein Gebiet, welches sich noch ein wenig in der Entwicklungsphase befindet. Ich hoffe, dass es in Zukunft hier praktikable Lösungen auch für kleinere Soziale Unternehmen gibt

 

Weiterführende Links:

  • Beispiele für SROI-Analysen und -Berichte: http://sroi.wordpress.com/ueberblick-sroi-analysen/
  • http://www.socialevaluator.eu/ip/uploads/tblDownload/SROI%20Guide.pdf
Bilderquelle: Williams College: Science Center

 

 

 

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