Was ist Social Entrepreneuring

On 6. Mai 2013 by Anna

Eine Social Enterprise,  dt.ein Sozialunternehmen, erkennt ein bestimmtes gesellschaftliches Defizit in Bereichen wie, Armutsbekämpfung, Integration, Familie, Bildung, Umweltschutz und Menschenrechte und findet hierzu eine skalierbare Lösung oder Effizienz-verbessernde Ansätze um den Bedarf der Zielgruppe und/oder des Zielobjekts gerecht zu werden.
Ein Social Entrepreneur sieht Bedarf und Chancen, die sich zwischen den privaten und staatlichen Sektoren der Volkswirtschaft auftun und schafft hierfür innovative, marktorientierte Konzepte, die er durch wirtschaftliches Handeln umsetzt, um universelle und nachhaltige Lösungen für aktuelle gesellschaftliche Probleme zu entwickeln.

Das heißt auch, dass ein Social Enterpreneur sich vor allem dadurch von anderen sozial-karitativen Einrichtungen abgrenzt, da hier ein konkret wirtschaftliches Handeln vorliegt, das jedoch immer und ausnahmslos dem gesellschaftlichen Nutzen hinten angestellt ist.  Somit lässt sich der Begriff recht schnell von anderen Formen gemeinnütziger Organisationen, Wohlfahrtsverbänden, Hilfsvereinen NPO´s etc. abgrenzen.
Doch wie auch im Non-Profit-Bereich, steht bei einem Social Entrepreneur die Absichtserklärung im Vordergrund. Im Gegenzug zu sozialwirtschaftlichen Einrichtungen wie Kitas oder Seniorenheimen strebt der Social Entrepreneur ein wertebasiertes und inovatives Lösungsmodell für ein bestimmtes Problem an. Er orientiert sich also nicht an konventionellen, teilw. subventionierten Unternehmensmodellen. Deshalb spricht man in diesem Zusammenhang häufig von „Social Innovation“.

Dabei orientiert sich ein Sozialunternehmen entlang betriebswirtschaftlicher Regeln und kann sogar Gewinnerzielung anstreben. Jedoch ordnet es diese der sozialen Mission unter und modeliert sie entsprechend dieser Zielsetzung um. Denn das Ziel letztendlich ist nicht der Profit sondern die finanzielle Unabhängigkeit und ökononomische Nachhaltigkeit zugunsten der sozialen Verbesserung.

Die für mich griffigste Definition stammt von Armin Harbrecht, Gründer und Geschäftsführer von Gloveler:

„Gewinn ist Mittel, nicht Zweck“

So ungefähr bringt es auch Prof. Yunus Muhammad, der wohl bekannteste Social Entrepreneur, Begründer des Mikrokredites und Leitfigur der Social Start-Up Szene. Er beschreibt, wie ein Sozialunternehmen i.d.R. vier Stufen der finanziellen Entwicklung durchläuft: keine Kostendeckung, etwas Kostendeckung, volle Kostendeckung und zu guter Letzt Gewinnerzielung, die dann nicht etwa an Investoren und Teilhaber ausgeschüttet wird, sondern in die Maximierung es sozialen Nutzens reinvestiert wird.

Genau dieses Konzept euphorisiert den ethisch denkenden Ökonomen. Denn es darf hier kurz die zugrunde liegende Wirtschaftsideologie angesprochen werden. Ein Unternehmehmen ist ein im verstärkten Maße verantwortungstragender Teil der Gesellschaft und muss auch entsprechend handeln. Das heißt vor allem auch, dass Arbeitsplätze geschaffen werden sollen und dürfen und der eigene Lebensunterhalt sichergestellt werden -muss- . Ein Social Entrepreneur ist kein Altruist.

Die beschriebene stufenweise Finanzentwicklung eines SE führt als dann auch zu einer vor allem in der Entstehungs- und Anfangsphase zu einer Abhänigkeit von Spenden, Subventionen, Sponsoren und Freiwilligenarbeit um wirtschaftliche Defizite auszugleichen. Da es in Deutschland bisher nur sehr wenige dem SE gerechte Kapitalgeber und Investitionspakete gibt (nicht zuletzt aufgrund seiner fehlenden Rendite), ist das Sozialunternehmen landläufig noch sehr vom kleinteiligen Funding abhängig.

Die Finanzierungsform kann aber auch unabhängig von Drittmitteln und Privatspenden sein. In diesem Fall spricht man generell vom „Social Business“, einer Unterkategorie des Social Entrepreneurings, welches nochmal autarker von Förderungen und Wohlwollen agiert und sich stärker den Marktregeln folgt. Hier ist dann auch eine Gewinnausschüttung an Investoren vorgesehen.

Ein Blick in die U.S.-Staaten, Großbritannien, Frankreich und vor allem Indien zeigt das zukunftsweisende Potential, welches im Modell des Social Entrepreneurings steckt und macht Hoffnung auf eine gerechtere Wirtschaftweise. Überzeugende, effiziente und selbsttragende Business-Ideen sind gefragt, ebenso wie eine bessere Vernetzung, eine Verbesserung des rechtlichen Rahmens für SE und mehr Zugang zu finanziellen Mitteln; Dann kann einer lebendigen ökonomischen Landschaft von Social-Start-Ups nichts mehr im Wege stehen!

 

Weiterführende Links:

Stanford Social Innovation, The Power of a Simple and Inclusive Definition

 

 

Bildquelle: http://www.iainclaridge.co.uk

 

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